Biokraftstoffe als Chance sehen
Berlin, 18.01.2012. Biokraftstoffe sind in Deutschland der wichtigste Absatzmarkt für heimische Pflanzenöle. 2011 wurden rund 2,4 Mio. Tonnen pflanzliche Öle in Form von Biodiesel getankt. Darauf verweist der Verband der ölsaatenverarbeitenden Industrie in Deutschland (OVID). Im Rahmen der Energiewende seien Pflanzenöle eine der maßgeblichen erneuerbaren Energiequellen. Eine zunehmende Unabhängigkeit von fossilen Energieträgern sei umso dringlicher, da die Umwelt- und Klimaauswirkungen der Erdölförderung immer gravierender würden. Gleichwohl will die ölsaatenverarbeitende Industrie keine Förderung von Biokraftstoffen um jeden Preis. „Angesichts der Herausforderung, über 7 Milliarden Menschen zu ernähren, gilt für uns bei hohen Preisen bzw. knappem Angebot auf dem Weltmarkt: ‚Food First’ “, erklärte Wilhelm F. Thywissen, Vorsitzender von OVID.
„Grundsätzlich sind wir jedoch der Meinung, dass nicht nur die problematischen Seiten von Biokraftstoffen angesprochen werden sollten“, so Thywissen weiter. In den letzten Jahren hätten Biokraftstoffe als Grund für zahlreiche Probleme wie hohe Lebensmittelpreise und hohe Preisschwankungen herhalten müssen. OVID fordert hingegen eine differenzierte Betrachtungsweise, die auch die Chancen hervorhebe. Die Bekämpfung von Hunger und Armut müsse Priorität haben. Ebenso seien Nachhaltigkeitsstandards wichtig, um Umwelt und Ökologie im Auge zu behalten, wie sie in Deutschland mit den Nachhaltigkeitsverordnungen sichergestellt würden. Auf der anderen Seite leisteten Biokraftstoffe einen derzeit nicht zu ersetzenden Beitrag zur Sicherung der energetischen Versorgung auf erneuerbarer Basis und mindere die Abhängigkeit von Erdöl. Entwicklungspolitisch könne der Anbau von agrarischen Rohstoffen für Biokraftstoffe sowohl eine wichtige Einkommensquelle für Entwicklungsländer bilden als auch eine Markt regulierende Funktion übernehmen – indem sie die Weltmarktpreise für agrarische Rohstoffe nach oben und nach unten abfedern und somit Preisschwankungen ausgleichen könnten. „Diese positiven Aspekte werden oftmals nicht gesehen oder verschwiegen“, so Thywissen.