Öko-Mais: Lukrative Kultur mit Forschungsbedarf
Der Maisanbau hat sich mittlerweile auch im ökologischen Landbau etabliert. Nach Angaben des Deutschen Maiskomitees lag der Absatz von Saatmais in den letzten drei Jahren stabil bei knapp 24.000 Einheiten. Rund 60 Prozent des ausgesäten Maises stammten jeweils aus ökologischer Erzeugung.
Bei einem Ökomais-Feldtag der KWS Saat AG auf dem Klostergut Wiebrechtshausen bei Northeim wurden aktuelle Sorten und einige Versuche zum ökologischen Maisanbau vorgestellt
Dr. Henriette Burger erläuterte verschiedene Prinzipien der Sortenentwicklung bei KWS für den ökologischen Landbau. Hierzu war ein großes Forschungsprojekt in Kooperation mit der Universität Hohenheim durchgeführt worden. (Weitere Informationen: http://orgprints.org/15793/).
Im Hinblick auf den im ökologischen Landbau angestrebten geschlossenen Kreislauf sollte auch die Saatguterzeugung unter ökologischen Bedingungen stattfinden. Unter diesen Gesichtspunkt empfehlenswert seien Dreiwege- oder Doppelhybriden. Das allgemeine von der KWS eingesetzte heterotische Muster ist das Flint- X Dentmuster, also Hart- X Zahnmais.
Die KWS SAAT AG hat ein eigenes Zuchtprogramm für Ökomais, weil der Mais im ökologischen Anbau bekanntermaßen einige spezifische Anforderungen erfüllen muss wie beispielsweise bessere Keimfähigkeit und Triebkraft, schnellere Jugendentwicklung, Resistenz gegen Krankheiten und Schädlinge sowie eine auf den Nährstofffluss angepasste Entwicklung.
Daraus hervor gegangen sei schließlich ‚KWS 5133 ECO’ als erste Öko-Sorte, die als Körner- oder Silomais genutzt wird. Diese Sorte zeige eine gute Beikrautunterdrückung, die unter anderem auf die horizontale Blattstellung zurückzuführen sei.
Energiepflanzen auch im Ökolandbau?Dr. Burger hält den Einsatz von Energiemais im ökologischen Landbau für überlegenswert. Sie kann sich vorstellen, Energiepflanzen als cash crop in die Fruchtfolge einzubauen. In Biogasanlagen könne Mais neben Kleegras sinnvoll eingesetzt werden; eventuell eine interessante Option für viehlos wirtschaftende Betriebe.
Die Anforderungen an Energiepflanzen sind auf maximalen Methanertrag pro Hektar ausgerichtet, der hauptsächlich von der Gesamttrockenmasse der verwendeten Pflanze abhängt. Es seien also insbesondere Maissorten mit einer hohen Gesamt-Trockenmasse gefragt. Seit einigen Jahren entwickelt die KWS eigene Sorten für diesen Zweck. Bislang gebe es noch keine öko-gepüfte Energie-Biomaissorte.
Zur Zeit läuft in Wiebrechtshausen ein Versuch zum Mischanbau von Mais mit anderen Kulturen wie Sonnenblumen, Ackerbohnen und einigen Bohnenarten und sorten. Feuerbohnen wurden früher traditionell in klimatisch begünstigten Regionen Österreichs wie der Steiermark zusammen mit Mais angebaut. Die Mischkultur von Mais Schwefelbohnen, vom Wuchstyp zwischen Busch- und Stangenbohne liegend, hatte Tradition im Rheintal.
Bereits abgeschlossen ist eine Masterarbeit an der Universität Göttingen , die sich mit dem Unkrautunterdrückungs-Potential von Untersaaten in Mais beschäftigte. Sabine Rückert untersuchte zehn verschiedene Untersaat-Varianten, unter anderem bewährte Untersaaten wie Weiß-, Inkarnat- und Perserklee sowie Winterroggen und Welsches Weidelgras, aber auch neue „Untersaatkandidaten“ wie Wegwarte und Spitzwegerich. Dabei zeigte sich, dass Inkarnatklee und Winterroggen die Beikräuter am besten unterdrückten, obwohl sie zum Teil stark durch Feldhasen-Fraß geschädigt waren. Wegwarte, Wegerich und Weidelgras nahmen eine mittlere Stellung ein.
Interessante Aspekte brachte der Spitzwegerich mit ein: Er wirkt antibakteriell und hat auch in Versuchen mit anderen Kulturen (Kartoffeln) vielversprechende Ergebnisse im Hinblick auf die Aufnahme von „vagabundierendem“ Stickstoff gebracht.
Bettina Jorek (KWS), die die Ergebnisse vorstellte, resümierte, dass durch Untersaaten eine Beikrautunterdrückung möglich ist. Die optimale Kombination sei bislang nicht gefunden worden. Es bleibe jedoch festzuhalten, dass Mais und Untersaaten sich gegenseitig im Wachstum beeinflussen.
Tierfraß ist weiter ein ProblemDr. Alexandra Esther vom Julius-Kühn Institut in Münster berichtete über die Entwicklung eines Beizmittels gegen Vogelfraß. Bislang hätten Mittel, die über Farbe oder Geruch wirkten, keinen durchweg zufrieden stellenden Erfolg gebracht. Deshalb habe man sich in Münster auf Stoffe konzentriert, die für die Vögel entweder einen schlechten Geschmack hätten oder Schleimhaut reizend seien. Eine abschreckende Wirkung hätte beispielsweise Mesurol, das im konventionellen Landbau als Beizmittel eingesetzt wird. Ziel ist, ein alternatives Beizmittel auf der Basis von Naturstoffen zu entwickeln.
Untersucht wurde die Abschreckung zahlreicher Pflanzenextrakte auf Fasane und Tauben in Volieren und im Freiland. Da sich Fasane als sehr wählerisch erwiesen, wurden die Versuche auf Tauben beschränkt. Versuche mit Krähen fanden nicht statt. Von den untersuchten Stoffen erwiesen sich Methyl-Antranilate, die beispielsweise aus Trauben gewonnen werden können, sowie Pulegon (in Katzenminze enthalten) als vielversprechend.
In der anschließenden Diskussion zeigte sich, dass eine befriedigende Abschreckung besonders von Krähen noch nicht gelingt. In Wiebrechtshausen hat man in diesem Jahr einen Antrag auf Abschuss von Krähen gestellt, in Kombination mit einer Lautsprecheranlage seien gute Ergebnisse erzielt worden.
Die tiefe Ablage von Maissaatgut auf zehn Zentimeter funktioniert mit Sorten mit guter Triebkraft, ist jedoch von den Standortbedingungen und der Witterung abhängig. Der Effekt verliert sich allerdings, wenn viel konventioneller Mais rundherum angebaut wird.
Gegen Wildschweine hat Landwirt Heinrich Meier-Köpke aus Hessisch-Oldendorf eine praktikable Methode entwickelt: Er mischt 1,5 Liter Milch und ein Kilo Steinmehl mit einer Einheit Maissaatgut (50.000 Körner).